Dateninflation verschlimmert Drosselung


Die Dateninflation macht die Drosselung durch die Telekom sehr bald zu einem praktischen Problem für jeden einzelnen Internetnutzer.

Ab dem Jahr 2016 möchte die Deutsche Telekom auch das Festnetz-Internet drosseln, wenn die Kundin mehr als 75 GB im Monat verbraucht. 75 GB klingt nach einer auskömmlichen Menge und das Jahr 2016 scheint weit weg…

Der amerikanische Chemiker und Physiker Gordon Moore formulierte in den 1960er Jahren das nach ihm benannte Moore’sche Gesetz, wonach sich, verkürzt gesagt, die Leistung von Computern im Schnitt alle ±18 Monate verdoppelt. Zwar bezog er sich dabei eigentlich nur auf die Komplexität integrierter Schaltkreise, aber ähnliches gilt auch für viele andere Bereiche rund um Computer und Internet. Der PC-Tuning-Betreiber PC Pitstop fand heraus, dass sich zwischen 2007 und 2010 die durchschnittliche Festplattenkapazität von Home-PCs fast verdreifacht hat.
Im Jahr 2013 hören sich 75 GB nach genauso viel an wie vor drei Jahren noch 25 GB. Die Drosselung im Jahr 2016 hat also wegen der Datenninflation größere Auswirkungen, als heute anzunehmen ist.

Dateien werden immer größer
Als das iPhone vor knapp sechs Jahren auf den Markt kam, waren einzelne Fotos, die man damit schoss, ca. 1 MB groß, heute sind es fast vier Mal so viel und die Tendenz geht weiter nach oben. Die Fotodateien von heutigen Spiegelreflexkameras sind – je nach Einstellung – zwischen fünf und über 20 MB groß, die nächsten Generation Kameras wird da noch einen drauf setzen. 50 Fotos ergeben demnach schon heute ein Gigabyte Daten, aber wer macht heutzutage nur 50 Fotos im Urlaub?

Schaut man sich einen heutigen #Tatort in der ARD-Mediathek an, werden ca. 1,5 GB Daten übertragen, mit der zunehmenden Verbreitung von hochauflösendem Fernsehen wird sich diese Datenmenge weiter vergrößern. Ein abendfüllender Film auf einer DVD „wog” etwa vier bis fünf Gigabyte, die Datenmenge eines Films auf einer BlueRay liegt dagegen schon bei durchschnittlich 25 GB.

Jeder Videoanruf über Skype verbraucht pro Stunde ein halbes Gigabyte an Datenübertragung und zwar je in beide Richtungen: als Sender und als Empfänger. Und auch hier werden die Videobilder immer schärfer und die Datenmengen immer mehr.

Dateimengen auf dem iPoneDie Cloud verlangt immer mehr Bandbreite
Wer – wie ich – ein iPhone, ein iPad, ein Laptop und einen Desktop-Hauptrechner hat, nutzt Cloud-Dienste, um Dateien zwischen den Geräten auszutauschen und auch von unterwegs darauf zugreifen zu können. Auf meinem iPhone lagern zurzeit 1,6 GB Podcasts, 1,2 GB Fotos, ein paar Hörbücher und auch Facebook und Twitter speichern Daten auf meinen Telefon.
Hinzu kommt noch einmal die gleiche Menge und die exakt gleichen Daten auf dem iPad – via iCloud und Dropbox halte ich die unterschiedlichen Geräte synchron. Dieses Snychron-Halten funktioniert, indem jedes einzelne Gerät die Daten noch einmal nur für sich aus dem Netz herunterlädt, d.h., die 1,6 GB Podcasts werden bei mir viermal heruntergeladen: iPhone, iPad, Laptop und Desktop. So werden aus 4 GB satte 16 GB – immerhin ein Fünftel der 75 GB, die die Telekom ungedrosselt zugänglich machen möchte

Digitale Salamitaktik
Die Telekom versucht, im Jahr 2013 Änderungen anzukündigen, die erst in ferner Zukunft greifen sollen. Aber die Erfahrung zeigt, dass die Entwicklung bei Computern und Internet so rasend schnell verläuft, dass drei Internetjahre eigentlich nur drei „Kohlenstoff”-Monate sind. Was uns die Telekom noch heute als Luxusproblem einiger weniger Nerds und Internetjunkies verkaufen möchte, geht schon morgen jeden von uns etwas an.

4 KOMMENTAR AUF “DATENINFLATION VERSCHLIMMERT DROSSELUNG”
Einste1n sagt:

  1. Mai 2013 um 15:51
    ein weiteres Problem ist, das der Traffic der 3 % so viel kostet das nichts mehr für den Ausbau der Netze überig bleibt. Tatsache ist jedoch, das Traffic noch nie so günstig war und auch immer noch günstiger wird.

Meiner Meinung nach ist das nicht nur eine Preiserhöhung für 3 % der Kunden sondern für alle Kunden, einschließlich diverser Anbieter wo ja die Telekom schon angedeutet habe das man verhandlungsbereit wäre. Man würde also gleich doppelt abkassieren.

Der einfachste Weg wäre, die Telekom unsere Netze wieder zu enteignen und unter staatlicher Kontrolle zu stellen. Dann können sie sich gerne ihr tolles Netz selber bauen oder sie mieten sich unser staatliches Netz zu normalen Preisen!

Antworten
Mirko sagt:

  1. Mai 2013 um 11:46
    Ich schätze, dass die Telekom hier nur den Stein ins Rollen gebracht hat und viele weitere Anbieter mit der Zeit folgen werden und dies alles wird letzendlich auf Kosten des Kunden erfolgen.

Antworten
Lukas sagt:

  1. Mai 2013 um 18:47
    Ich bin auch sehr gespannt, welche Anbieter als nächstes folgen. Sollte es tatsächlich dabei bleiben, dass lediglich die Telekom so handelt, dann müssen sich diese nicht darüber wundern, in Zukunft über weniger Kunden zu verfügen.

Antworten
Andreas sagt:

  1. August 2013 um 22:33
    Auf diese Weise hatte ich das Thema noch gar nicht betrachtet, aber vielen Dank für die Aufklärung. Ich denke, das Problem ist, dass viele Privatanwender gar nicht wissen, welche Volumina sie eigentlich konkret verbrauchen. Denn bisher ist alles inklusive und man muss sich um Größen von Daten keine Gedanken machen. Da sollte man auf jeden Fall aufräumen, sonst werden die 75 GB tatsächlich noch als ausreichend empfunden und die Telekom kommt mit ihren Forderungen durch.

Antworten